
Schweizer Alentis holt CSL an Bord
355 Mio. US-Dollar upfront kann sich die Schweizer Firma Alentis Therapeutics (Basel) für den Claudin1-Antikörper Lixudebart durch eine Partnerschaft mit CSL sichern. Damit hat Alentis einen globalen Entwicklungspartner gefunden. Der australische Biopharmakonzern CSL stellt zudem bis zu weitere 1,2 Mrd. US-Dollar an kommerziellen Meilensteinen in Aussicht.
Für Alentis ist die Vereinbarung ein wichtiger Schritt aus der Biotech-Entwicklungsphase in Richtung späterer klinischer Entwicklung und Vermarktung. CSL will in die gemeinsame Entwicklung des Antikörpers einsteigen und diese vorantreiben. Dafür sichern sich die Australier einen größeren Teil des möglichen Vermarktungskuchens: Die späteren globalen Gewinne sollen zu 55% bei CSL und zu 45% bei Alentis landen.
Alentis hat schon viele Millionen getankt
Alentis Therapeutics hatte sich in den vergangenen Jahren mit hohen Finanzierungsrunden einen Namen gemacht. Insgesamt rund 366 Mio. US-Dollar an Eigenkapital waren bis 2025 eingeworben worden, darunter eine Serie-D-Runde über mehr als 180 Mio. US-Dollar. Im Zentrum stand dabei von Anfang an Claudin1 (CLDN1), ein Protein der Zellverbindungen, das Alentis als bislang wenig erschlossenes Target für Fibrose und Krebs entwickelt. In den firmeneigenen Pressemeldungen wurde stets betont, dass man nahezu das einzige Unternehmen sei, dass sich auf dieses Zielmolekül konzentriere. Dies birgt ein hohes Risiko für einen vollständigen Fehlschlag, im Falle eines Erfolges jedoch auch eine längeranhaltende Exklusivität, da keine Rivalen in Sichtweite sind.
Mit Lixudebart – ehemals ALE.F02 – verfolgt Alentis einen anderen Weg als mit seinen beiden onkologischen ADC-Kandidaten ALE.P02 und ALE.P03. Der monoklonale Antikörper bindet selektiv an exponiertes Claudin1 und soll damit entzündliche und fibrotische Signalwege beeinflussen. Der derzeit wichtigste klinische Test ist die Phase II-Studie RENAL bei Patienten mit ANCA-assoziierter Vaskulitis und rasch fortschreitender Glomerulonephritis (AAV-RPGN), einer seltenen Autoimmunerkrankung, bei der die Nierenfunktion innerhalb kurzer Zeit massiv abnehmen kann.
Frühe klinische Daten haben die Hypothese bisher unterstützt
Nach einer Interimsanalyse bei 26 Patienten zeigte Lixudebart nach 24 Wochen Verbesserungen bei eGFR und Proteinurie. Auch in der Phase Ib-Studie FEGATO mit 41 Patienten mit fortgeschrittener Leberfibrose wurden nach sechs Wochen Verbesserungen der Leberfunktion berichtet. Das sind allerdings frühe klinische Signale; der eigentliche Wirksamkeitsnachweis steht noch aus.
CSL will die Entwicklung nun deutlich beschleunigen. Der Konzern finanziert die laufende Phase II-Studie RENAL und die geplante Phase III bei AAV-RPGN vollständig. Zusätzlich sollen Phase II-Studien bei fokal-segmentaler Glomerulosklerose (FSGS) und primär sklerosierender Cholangitis (PSC) folgen. Damit wird aus einem einzelnen klinischen Programm eine breiter angelegte Entwicklung für Nieren- und Lebererkrankungen.
Für CSL wiederum ist der Deal ein Baustein beim Aufbau eines größeren Nephrologie-Geschäfts. Der Konzern bringt internationale Entwicklungs- und Vermarktungskapazitäten ein, während Alentis die Claudin1-Plattform und die klinische Entwicklung des Wirkstoffs beisteuert. Das entspricht zugleich dem aktuellen Trend, dass Pharmaunternehmen externe, bereits klinisch validierte Programme gezielt einkaufen oder sich daran beteiligen, statt frühe Target-Entdeckungen vollständig selbst aufzubauen.
Taugt Claudin1 für mehr, entsteht ein Wirkstoffstammbaum?
Interessant ist der Deal auch für die weitere Alentis-Pipeline. Das Unternehmen entwickelt neben Lixudebart zwei Claudin1-gerichtete ADCs gegen solide Tumoren. ALE.P02 und ALE.P03 befinden sich in Phase I/II; für ALE.P02 hat die FDA bereits den Fast-Track-Status bei fortgeschrittenen oder metastasierten CLDN1-exprimierenden Plattenepithelkarzinomen erteilt. Die CSL-Partnerschaft validiert damit nicht nur Lixudebart, sondern indirekt auch die grundsätzliche Strategie, Claudin1 therapeutisch zu adressieren.
Alentis wurde auf Basis der Forschung von Thomas Baumert an der Universität Straßburg und Inserm gegründet und hat seinen Hauptsitz in Basel. Der CSL-Deal ist damit ein weiterer Schritt einer Entwicklung, die mit einem wissenschaftlich zunächst ungewöhnlichen Target begann und inzwischen einen ersten großen Pharma-Partner erreicht hat. Ob Claudin1 tatsächlich ein neues therapeutisches Feld eröffnet, muss nun die Klinik zeigen.

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